Die Wesentlichkeitsanalyse: Ein Interview mit unserer Expertin Eva Schmider

Die Auseinandersetzung mit dem Thema Nachhaltigkeit bietet Unternehmen zahlreiche Vorteile. Für viele Firmen ist das Thema im Rahmen der EU-Regulatorik sogar verpflichtend. Es gibt eine große Bandbreite an Aspekten, die zu berücksichtigen sind. Doch wie beginnt man diesen Prozess?
Ein entscheidender erster Schritt ist laut unserer Expertin Eva Schmider die Wesentlichkeitsanalyse. In diesem Interview erklärt sie, wie diese Analyse funktioniert und welche Vorteile sie mit sich bringt.
Liebe Eva, Unternehmen stehen vor der Herausforderung, sich dem Thema Nachhaltigkeit zu nähern. Warum ist die Wesentlichkeitsanalyse ein wichtiger erster Schritt? Wie funktioniert dieser Prozess und welche Ergebnisse können Unternehmen erwarten?
Die Wesentlichkeitsanalyse ist nicht nur ein wichtiger, sondern für viele Unternehmen, die unter die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) fallen, auch ein verpflichtender erster Schritt. Gemäß den Anforderungen der CSRD und den dazugehörigen European Sustainability Reporting Standards (ESRS) bildet sie die Grundlage für die Nachhaltigkeitsberichterstattung. Ohne sie wüsste ein Unternehmen gar nicht, welche Themen aus der finanziellen Perspektive tatsächlich relevant sind und wo es den größten Einfluss auf die Gesellschaft und die Umwelt hat – sowohl in positiver als auch in negativer Hinsicht.
"Ich verstehe, dass viele Unternehmen Nachhaltigkeit zunächst als finanzielle und bürokratische Belastung sehen – das ist eine Realität, die man nicht ignorieren kann. Genau deshalb ist es uns als Beratungsunternehmen besonders wichtig, den Aufwand für unsere Kunden so gering wie möglich zu halten."
Eva Schmider
Die Wesentlichkeitsanalyse folgt dabei einem strukturierten Ansatz. Zunächst und sehr vereinfacht dargestellt wird eine umfassende Liste potenzieller Nachhaltigkeitsthemen erstellt – dazu gehören Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte. Danach werden diese Themen anhand zweier Dimensionen bewertet:
- Impact-Materialität – also die Frage, welchen Einfluss das Unternehmen auf Umwelt und Gesellschaft hat, positiv und/oder negativ.
- Finanzielle Materialität – also inwiefern ein Thema finanzielle Risiken und/oder Chancen für das Unternehmen birgt.
Durch die Kombination dieser beiden Perspektiven entsteht eine, nennen wir sie, Wesentlichkeitslandkarte. Diese hilft Unternehmen, ihre Nachhaltigkeitsstrategie oder eben den Bericht gezielt auf die Themen auszurichten, die sowohl aus unternehmerischer als auch gesellschaftlicher Sicht am relevantesten sind.
Gerade in den aktuell von wirtschaftlichen Unsicherheiten geprägten Zeiten schafft dieses systematische Vorgehen die Möglichkeit, nachhaltigkeitsbezogene Risiken, Chancen und Abhängigkeiten frühzeitig zu identifizieren. Damit bietet es weit mehr als nur einen Wettbewerbsvorteil – es ermöglicht Unternehmen, langfristige Stabilität zu sichern, vorausschauend zu agieren und nachhaltige Strategien gezielt zu entwickeln.
Sind im European Sustainability Reporting Standards (ESRS) bereits die relevanten Aspekte festgelegt, nach denen berichtet wird?
Ja, die ESRS geben einen Rahmen vor, der die relevanten Nachhaltigkeitsaspekte definiert. Allerdings müssen Unternehmen durch die Wesentlichkeitsanalyse selbst bestimmen, welche Themen für sie tatsächlich berichtspflichtig sind.
Viele Unternehmerinnen und Unternehmer empfinden die zusätzlichen bürokratischen Anforderungen als Belastung. Wie gestaltet Zukunftswerk die Wesentlichkeitsanalyse, um den Aufwand gering zu halten und dennoch optimale Ergebnisse zu erzielen?
Ich verstehe, dass viele Unternehmen Nachhaltigkeit zunächst als finanzielle und bürokratische Belastung sehen – das ist eine Realität, die man nicht ignorieren kann. Genau deshalb ist es uns als Beratungsunternehmen besonders wichtig, den Aufwand für unsere Kunden so gering wie möglich zu halten. Nachhaltigkeitsanforderungen können komplex und ressourcenintensiv sein, doch mit einem strukturierten und erprobten Vorgehen lassen sich diese Prozesse effizient gestalten.
Dank unserer Erfahrung aus zahlreichen erfolgreich durchgeführten Wesentlichkeitsanalysen – stets in enger Abstimmung mit Wirtschaftsprüfungsgesellschaften – haben wir sechs aufeinander abgestimmte Zwischenschritte entwickelt. In den ersten beiden sowie in den letzten beiden Schritten übernehmen wir primär die Aufgaben der Kunden, um ihre internen Ressourcen gezielt zu entlasten. So stellen wir sicher, dass der gesamte Prozess effizient abläuft, während sich unsere Kunden auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können.
Zusätzlich bieten wir maximale Flexibilität: Alle Schritte können je nach Bedarf online oder inhouse stattfinden. Viele unserer Kunden waren überrascht, wie klar und unkompliziert der Prozess tatsächlich ist.

Die Wesentlichkeitsanalyse liefert wertvolle Erkenntnisse darüber, mit welchen Nachhaltigkeitsbereichen sich Unternehmen befassen sollten. Welche Schritte folgen nach der Analyse?
Wie bereits angesprochen, wird Nachhaltigkeit oft als reine regulatorische Zusatzbelastung wahrgenommen. Doch wir erleben auch, dass Unternehmen darin echte Chancen für die Sicherung oder die Weiterentwicklung ihres Geschäftsmodells erkennen, denn Herausforderungen wie Ressourcenknappheit, klimabedingte Lieferkettenstörungen, steigende Versicherungskosten oder strengere Regulierungen längst Realität sind.
Genau hier setzen wir an: Neben einem detaillierten Ergebnisbericht zur Wesentlichkeitsanalyse erhalten Unternehmen von uns erste Handlungsempfehlungen. Dank unserer interdisziplinären Expertenteams – mit Fachwissen von Biodiversität bis hin zu THG-Reduktionspfaden – unterstützen wir Unternehmen dabei, regulatorische Anforderungen zu erfüllen. Gleichzeitig schaffen wir durch unseren Ansatz einen echten Mehrwert für das Corporate Riskmanagement, die Resilienz und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Kunden.
"Nachhaltigkeit wird oft als reine regulatorische Zusatzbelastung wahrgenommen. Doch wir erleben auch, dass Unternehmen darin echte Chancen für die Sicherung oder die Weiterentwicklung ihres Geschäftsmodells erkennen."
Eva Schmider