EmpCo: Wenn Nachhaltigkeit belegbar sein muss

Brunella Seidl
vor 2 Wochen4 min. Lesezeit

Wenn Brüssel ein neues Stück Regulierung aufs Gleis setzt, klingt das selten nach großer Oper. Doch manchmal betrifft es genau jene Felder, in denen Pathos und Praxis längst unruhig aufeinander warten. Die EmpCo‑Richtlinie — vollständig „Richtlinie (EU) 2024/825 zur Stärkung der Verbraucher für den ökologischen Wandel“ — ist so ein Fall. Ihr Ziel: Verbraucher*innen besser schützen, Greenwashing erschweren, und Unternehmen zu klareren Aussagen über Umweltwirkungen zwingen.

Was die EmpCo-Richtlinie konkret vorsieht

Die EmpCo‑Richtlinie verschärft die Regeln für ökologische Aussagen und fußt auf einem vergleichsweise einfachen Grundsatz: Wer etwas verspricht, muss es auch belegen und zwar so, dass Menschen es verstehen.

Das heißt:

Schluss mit schwammigen Umweltversprechen.

Angaben wie „umweltfreundlich“, „klimaneutral“ oder „grün hergestellt“ sind künftig nur erlaubt, wenn sie wissenschaftlich belegt und transparent erklärt sind.

Verbot irreführender Label.

Nachhaltigkeitssiegel müssen künftig auf überprüfbaren Zertifizierungen beruhen, Fantasiesiegel haben ausgedient.

Während viele Unternehmen noch versuchen, einen ersten Überblick über die neuen juristischen Fallstricke zu gewinnen, entsteht bei zukunftswerk bereits ein Ansatz, der rechtliche und operative Perspektiven zusammenführt.

Mehr Transparenz bei Haltbar- und Reparierbarkeit.

Unternehmen müssen Verbraucher*innen darüber informieren, wie langlebig Produkte sind, welche Ersatzteile verfügbar sind und wie die Softwarepflege aussieht.

Strengere Vorgaben für Werbeaussagen.

Eigenschaften, die gesetzlich ohnehin vorgeschrieben sind, dürfen nicht mehr als „nachhaltige Besonderheit“ verkauft werden.

Dass diese Punkte nötig sind, bezweifelt kaum jemand, der in den letzten Jahren das Dickicht an grünen Marketingversprechen betrachtet hat.

Warum das für zukunftswerk relevant ist

Für eine Organisation, die ihren Schwerpunkt im genossenschaftlichen Wirken, in der Energie- und Klimaberatung und nachhaltigen Transformationsprozessen sieht, bedeutet die Policy vor allem zweierlei: Anlass zur Gelassenheit sowie zur Präzisierung.

Schon jetzt hohe Standards

Wir bewegen uns seit Jahren in einem Umfeld, das wissenschaftliche Nachweise, faire Kommunikation und fundierte Berechnungen selbstverständlich macht. Viele der neuen Pflichten decken sich mit dem, was in der Beratungspraxis ohnehin verlangt wird.

Ein Beitrag zu fairen Märkten

Die Richtlinie schützt nicht nur Verbraucher*innen, sondern auch jene Unternehmen, die es ernst meinen. Gerade Genossenschaften wie zukunftswerk profitieren davon, wenn der Markt nicht länger von wolkigen Werbeversprechen verzerrt wird.

Neue Beratungsfelder tun sich auf

Die EmpCo bringt Unternehmen aller Branchen in Zugzwang. Viele müssen ihre Umweltbehauptungen überprüfen, Produktinformationen anpassen und neue Dokumentations- und Prüfprozesse etablieren. Für uns ergeben sich damit zusätzliche Ansatzpunkte für:

Sensibilisierung zu Greenwashing-Risiken
Bewertung von Umweltaussagen
Begleitung bei der Einführung transparenter CSR-Kommunikation
Unterstützung bei Produkt- und Prozessanalysen zur Haltbarkeit, Reparierbarkeit und Energiebilanz

Wir arbeiten an einem strukturierten Angebot, das Unternehmen durch die kommenden EmpCo‑Vorgaben führen soll. In Kooperation mit unserem Kanzleipartner sowie dem Anspruch, Orientierung zu geben, bevor der gesetzliche Druck endgültig wirkt.

Was sich jetzt ändert und was nicht

Ab dem 27. September 2026 gelten die neuen Regeln vollumfänglich. Bis dahin müssen die Mitgliedstaaten, darunter Deutschland, die Vorgaben ins nationale Recht gegossen haben (teilweise ist das bereits geschehen (UWG‑Anpassungen)). Unternehmen sollten die Zeit nutzen, um Prozesse zu überprüfen und Kommunikationsstrategien zu schärfen.

Was sich hingegen nicht ändert: Die Notwendigkeit, Nachhaltigkeit glaubwürdig und nachvollziehbar zu gestalten. Die EmpCo macht aus dieser Notwendigkeit nur eine Pflicht.

Fazit

Die EmpCo‑Richtlinie ist kein bürokratisches Ärgernis, sondern ein Schritt hin zu einer ehrlicheren Nachhaltigkeitskommunikation. Für uns bietet sie Chancen, Unternehmen bei einer vermeintlich anspruchsvoller gewordenen Aufgabe zu begleiten.

Und vielleicht zeigt sich hier auch der stille Triumph der Vernunft: Die Zeiten, in denen ein grünes Blatt im Logo als Umweltstrategie galt, gehen ihrem Ende entgegen.