Hitze am Arbeitsplatz: Klimaanpassung wird zur Unternehmensaufgabe

Matthias Reichhart
vor 2 Wochen4 min. Lesezeit

Der Klimawandel ist längst in der Arbeitswelt angekommen. Häufigere und intensivere Hitzeperioden belasten Beschäftigte, Gebäude und betriebliche Abläufe. Besonders betroffen sind Menschen, die im Freien, in Produktionshallen oder in schlecht gekühlten Büros arbeiten.

Hitze kann den Kreislauf belasten, die Konzentrationsfähigkeit verringern und das Risiko von Fehlern und Arbeitsunfällen erhöhen. Damit wird der Schutz vor hohen Temperaturen zu einem zentralen Bestandteil der betrieblichen Klimaanpassung.

Die Umweltmedizinerin Prof. Dr. Claudia Traidl-Hoffmann beschreibt die Folgen deutlich:

„Entfernen wir uns zu weit von dem Idealzustand, können wir nicht mehr vernünftig denken und nur ineffizient arbeiten.“

Prof. Dr. Claudia Traidl-Hoffmann

Klimawandel verändert die Arbeitsbedingungen

Auch in Deutschland müssen Unternehmen künftig mit längeren Hitzephasen und einer stärkeren Aufheizung von Gebäuden und Betriebsgeländen rechnen. Räume, die ursprünglich nicht für anhaltend hohe Außentemperaturen ausgelegt wurden, können sich schnell überhitzen.

Klimaanpassung bedeutet deshalb, Risiken frühzeitig zu erkennen und Arbeitsplätze so zu gestalten, dass Beschäftigte auch unter veränderten klimatischen Bedingungen sicher und gesund arbeiten können. Dabei geht es nicht nur um kurzfristige Reaktionen an einzelnen heißen Tagen. Gefragt sind dauerhafte Strukturen, klare Verantwortlichkeiten und langfristige Investitionen in klimaresiliente Standorte.

Was Arbeitgeber*innen bei hohen Temperaturen beachten müssen

Eine wichtige Grundlage bildet die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A3.5. Überschreitet die Lufttemperatur in einem Arbeitsraum 26 Grad Celsius, sollen Arbeitgeber*innen geeignete Schutzmaßnahmen prüfen. Bei mehr als 30 Grad müssen wirksame Maßnahmen ergriffen werden. Oberhalb von 35 Grad ist ein Raum ohne zusätzliche Schutzvorkehrungen grundsätzlich nicht mehr als Arbeitsraum geeignet.

Welche Maßnahmen erforderlich sind, hängt unter anderem von der Tätigkeit, der körperlichen Belastung, der Raumgestaltung und der individuellen Gefährdung der Beschäftigten ab.

Sieben wirksame Maßnahmen gegen Hitze

Unternehmen können die Belastung mit organisatorischen, technischen und baulichen Maßnahmen reduzieren:

  • Arbeitsräume frühzeitig lüften: Kühle Morgenstunden nutzen und Räume anschließend vor warmer Außenluft schützen.
  • Sonneneinstrahlung begrenzen: Außenliegende Jalousien, Rollläden oder andere Verschattungssysteme einsetzen.
  • Arbeitszeiten anpassen: Körperlich belastende Aufgaben möglichst in kühlere Tageszeiten verlegen.
  • Zusätzliche Pausen ermöglichen: Erholungszeiten an kühlen oder schattigen Orten einplanen.
  • Trinkwasser bereitstellen: Beschäftigte aktiv zum regelmäßigen Trinken anregen.
  • Kleidung flexibilisieren: Soweit Arbeitssicherheit und Tätigkeit es erlauben, leichtere Kleidung ermöglichen.
  • Besonders gefährdete Personen schützen: Dazu können ältere Beschäftigte, Schwangere sowie Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen gehören.

Langfristig sollten Unternehmen ihre Gebäude und Außenflächen klimaresilient gestalten. Begrünte Dächer und Fassaden, Bäume, Verschattung, helle Oberflächen und entsiegelte Flächen reduzieren die Aufheizung und verbessern das Mikroklima. Solche Maßnahmen können zugleich die Aufenthaltsqualität erhöhen und die Biodiversität am Standort fördern.

Vom Hitzeschutz zur Klimaanpassungsstrategie

Ein betrieblicher Hitzeaktionsplan legt Warnstufen, Zuständigkeiten, Kommunikationswege und konkrete Maßnahmen fest. Unternehmen sollten dabei auch prüfen, welche Standorte, Tätigkeiten und Beschäftigtengruppen besonders gefährdet sind.

Hitzeschutz ist somit mehr als eine Arbeitsschutzmaßnahme. Er ist Teil eines umfassenden Klimarisikomanagements. Wer heute vorsorgt, schützt die Gesundheit der Beschäftigten, reduziert Ausfallrisiken und stärkt die Widerstandsfähigkeit des Unternehmens.

Fazit: Der Klimawandel macht Anpassung notwendig. Unternehmen, die Hitzerisiken systematisch berücksichtigen und ihre Standorte vorausschauend gestalten, sichern Arbeitsfähigkeit, Produktivität und Zukunftsfähigkeit.

Zukunftswerk unterstützt Unternehmen dabei, Klimarisiken zu analysieren und geeignete Anpassungsmaßnahmen für Gebäude, Standorte und betriebliche Prozesse zu entwickeln.

Quellen: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: ASR A3.5 Raumtemperatur; Bundesministerium für Arbeit und Soziales: „Klima wandelt Arbeit“; Umweltbundesamt: Handlungsfeld Industrie und Gewerbe.