Klimaschutz als Kostenfrage: Weniger Verbrauch, mehr Spielraum

Matthias Reichhart
vor 2 Wochen5 min. Lesezeit

Hohe Preise an der Tankstelle, teure Wärme, schwer kalkulierbare Energiekosten: Die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern belastet Unternehmen erneut. Damit bekommt eine Frage besondere Bedeutung: Wo kann Klimaschutz helfen, laufende Kosten zu senken?

Die aktuelle Lage zeigt, wie eng Energiepreise und geopolitische Entwicklungen zusammenhängen. Die Bundesregierung verweist im September 2026 auf stark gestiegene Kraftstoffpreise infolge des Nahost-Konflikts. Zugleich betont sie, dass die Versorgung in Deutschland gesichert ist. Wir erleben also erheblichen Preisdruck, ohne dass hierzulande derzeit eine Energieversorgungskrise besteht.

Auch am Gasmarkt ist die Belastung messbar: Nach Angaben der Internationalen Energieagentur lag der europäische Großhandelspreis TTF im zweiten Quartal 2026 durchschnittlich 32 Prozent über dem Vorjahresniveau. Das ist kein direkter Aufschlag auf jede betriebliche Gasrechnung; Lieferverträge und Beschaffungszeitpunkte unterscheiden sich. Die Zahl macht aber deutlich, wie empfindlich fossile Energiemärkte auf Störungen reagieren. Den größeren wirtschaftlichen Zusammenhang betont die Energieökonomin Prof. Dr. Claudia Kemfert in ihrem eigenen Rückblick auf den ExtremWetterKongress und die Deutsche KlimaManagementTagung 2026:

„Nicht Klimaschutz ist teuer. Teuer ist das Nichthandeln.“

Prof. Dr. Claudia Kemfert

Kemfert bezieht sich dabei auf die volkswirtschaftlichen Schäden durch die Klimakrise. Für Unternehmen kommt eine weitere Perspektive hinzu: Gut gewählte Klimaschutzmaßnahmen können bereits im laufenden Betrieb Kosten senken.

Klimaschutz und Kosten sparen beginnen beim Verbrauch

Den Weltmarktpreis für Erdöl oder Erdgas kann ein einzelnes Unternehmen kaum beeinflussen. Den eigenen Verbrauch häufig schon. Weniger fossile Energie einzusetzen bedeutet, bei gleicher Leistung weniger Brennstoff einzukaufen und weniger Emissionen auszustoßen. Zugleich sinkt die Menge an Energie, deren Preisentwicklung das Unternehmen ausgesetzt ist. Fatih Birol, Exekutivdirektor der Internationalen Energieagentur, bezeichnete Energieeffizienz bereits 2021 als „den saubersten und in den meisten Fällen günstigsten Weg, unseren Energiebedarf zu decken“ (Auszug, eigene Übersetzung aus dem Englischen). Das lenkt den Blick auf eine naheliegende Möglichkeit: vorhandene Energie besser zu nutzen.

Der erste Schritt muss deshalb keine große Neuanschaffung sein. Oft lohnt es sich, bestehende Abläufe genauer anzusehen: Stimmen die Betriebszeiten von Heizung und Lüftung mit der tatsächlichen Nutzung überein? Gibt es Leckagen im Druckluftnetz? Geht nutzbare Wärme ungenutzt verloren? Die KfW nennt unter anderem bedarfsgerechte Anlagensteuerung, die Prüfung von Druckluftsystemen und Wärmerückgewinnung als Ansatzpunkte. Solche Maßnahmen können den Energiebedarf reduzieren, ohne die betriebliche Leistung zu verringern. Welches Potenzial besteht, muss vor Ort geprüft werden.

Ein Praxisbeispiel: Druckluft mit weniger Energie erzeugen

Dass sich die Verbindung von Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit konkret zeigen lässt, dokumentiert die Deutsche Energie-Agentur am Fliesenhersteller Porcelaingres in Vetschau. Das Unternehmen ersetzte drei ältere Kompressoren durch zwei neue Anlagen mit übergeordneter Steuerung. Ihre Leistung wird an den tatsächlichen Druckluftbedarf angepasst. Laut dena spart das Werk dadurch jährlich rund 250.000 Kilowattstunden Strom und 37.500 Euro Energiekosten. Die Investition betrug 200.000 Euro und wurde teilweise gefördert. Die Werte stammen aus diesem konkreten Projekt; sie sind keine pauschale Einsparzusage für andere Betriebe. Sie zeigen aber, wie aus einer technischen Verbesserung eine wiederkehrende Entlastung werden kann.

Weniger fossile Abhängigkeit braucht eine gute Rechnung

Über Effizienz hinaus können eine Photovoltaikanlage für den Eigenverbrauch, die Elektrifizierung geeigneter Wärmeprozesse oder ein veränderter Fuhrpark den Bedarf an fossiler Energie verringern. Die KfW verweist ausdrücklich auf das Potenzial betrieblicher Photovoltaik, Energiekosten zu senken. Ob sich eine konkrete Umstellung rechnet, hängt jedoch von mehr ab als vom aktuellen Öl- oder Gaspreis: Investitionskosten, Nutzungsdauer, Stromtarife, Auslastung, Wartung und technische Voraussetzungen gehören in die Rechnung. Auch die Klimawirkung sollte über den Lebenszyklus betrachtet werden. Hohe fossile Energiepreise können Investitionen wirtschaftlich attraktiver machen. Eine tragfähige Entscheidung sollte aber auch bei niedrigeren Preisen bestehen können. Deshalb lohnt es sich, mehrere Preisszenarien zu vergleichen und die gesamten Kosten über die Nutzungsdauer zu betrachten.

Wer dauerhaft weniger fossile Energie benötigt, gewinnt Spielraum bei Kosten und verringert die Abhängigkeit von künftigen Preissprüngen.

Von der Treibhausgasbilanz zum Energiesparen

Wir halten es für sinnvoll, Klimaschutz und betriebliche Kosten gemeinsam zu betrachten. Eine Treibhausgasbilanz schafft dafür eine Grundlage. Ergänzt um Verbrauchs- und Kostendaten lässt sich erkennen, wo Maßnahmen zugleich Emissionen reduzieren und wirtschaftlich entlasten können.

Ein guter Einstieg ist überschaubar: die größten Energieverbraucher identifizieren, passende Maßnahmen bewerten und Verantwortlichkeiten festlegen. Nach der Umsetzung zählt der Vergleich mit der Ausgangslage – möglichst bereinigt um veränderte Produktion, Betriebszeiten oder Witterung.

Die aktuelle Preisentwicklung ist ein Anlass, genauer hinzusehen. Der Nutzen reicht darüber hinaus: Wer dauerhaft weniger fossile Energie benötigt, gewinnt Spielraum bei Kosten und verringert die Abhängigkeit von künftigen Preissprüngen.

Für Unternehmen, die aus diesen Erkenntnissen konkrete Schritte entwickeln möchten, bereiten wir das Workshop-Angebot „Von der CO₂-Bilanz zum Energiesparen“ vor. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich auf Basis der Bilanz und ergänzender Energiedaten Einsparpotenziale erkennen und Ansätze für eine zukunftsfähige Energieversorgung entwickeln lassen.

Sie möchten Ihre THG-Bilanz als Ausgangspunkt nutzen, um Energiekosten zu senken und Ihre Energieversorgung neu aufzustellen? Sprechen Sie uns an und fragen Sie einen Workshop „Von der CO₂-Bilanz zum Energiesparen“ für Ihr Unternehmen an. Gemeinsam klären wir, welche Fragestellungen und nächsten Schritte für Sie sinnvoll sind.