Vom VSME zum VS: Warum der neue freiwillige Nachhaltigkeitsstandard an Bedeutung gewinnt

Matthias Reichhart
vor 5 Tagen3 min. Lesezeit

Die europäischen Vorgaben zur Nachhaltigkeitsberichterstattung entwickeln sich weiter und mit ihnen auch die freiwilligen Berichtsstandards. Aus dem bisherigen Voluntary Sustainability Reporting Standard for SMEs (VSME) soll künftig der Voluntary Standard (VS) werden. Damit wird der Anwendungsbereich des Standards über kleine und mittlere Unternehmen hinaus erweitert.

Mit den Änderungen im Rahmen des Omnibus-Pakets soll der Standard künftig für alle Unternehmen offenstehen, die freiwillig über ihre Nachhaltigkeitsleistungen berichten möchten und dies unabhängig von ihrer Größe. Die Umbenennung zu „VS“ trägt dieser erweiterten Zielgruppe Rechnung und macht deutlich, dass der Standard nicht länger ausschließlich auf KMU ausgerichtet ist.

Was ändert sich?

Inhaltlich bleibt der neue VS eng am bisherigen VSME orientiert. Themen wie Klimaschutz, Treibhausgasemissionen, Energie, Wasser, Biodiversität sowie soziale und Governance-Aspekte bilden weiterhin den Kern der Berichterstattung.

Neu ist jedoch die stärkere Einbindung in den europäischen Rechtsrahmen: Der VS soll als delegierter Rechtsakt verabschiedet werden und damit zu einem europaweit einheitlichen Referenzstandard für freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung werden.

Besonders relevant für viele Unternehmen ist außerdem das sogenannte Value Chain Cap. Große berichtspflichtige Unternehmen dürfen von nicht berichtspflichtigen Lieferanten grundsätzlich nur noch diejenigen Nachhaltigkeitsinformationen anfordern, die im VS vorgesehen sind. Ziel ist es, den Aufwand entlang der Lieferkette deutlich zu reduzieren und gleichzeitig eine einheitliche Datengrundlage zu schaffen.

Themen wie Klimaschutz, Treibhausgasemissionen, Energie, Wasser, Biodiversität sowie soziale und Governance-Aspekte bilden weiterhin den Kern der Berichterstattung.

Was bedeutet das für Unternehmen?

Auch wenn künftig weniger Unternehmen gesetzlich zur Nachhaltigkeitsberichterstattung verpflichtet sind, bleibt die Nachfrage nach belastbaren ESG-Informationen bestehen. Banken, Investoren, Kunden und öffentliche Auftraggeber benötigen weiterhin nachvollziehbare Nachhaltigkeitsdaten, zum Beispiel für Finanzierungen, Ausschreibungen oder Lieferantenbewertungen.

Der VS bietet dafür einen praxistauglichen Rahmen. Unternehmen können ihre Nachhaltigkeitsleistungen strukturiert dokumentieren, Anfragen effizient beantworten und gleichzeitig ihre internen Nachhaltigkeitsprozesse weiterentwickeln.

Unser Fazit

Wir begrüßen die Weiterentwicklung vom VSME zum VS. Sie macht den freiwilligen Standard für eine deutlich größere Zahl von Unternehmen zugänglich und erleichtert den Einstieg in eine strukturierte Nachhaltigkeitsberichterstattung.

Gerade für Unternehmen, die bisher keine Berichtspflicht haben, aber regelmäßig ESG-Informationen bereitstellen müssen, bietet der VS einen praktikablen und verhältnismäßigen Rahmen. Statt individuelle Fragebögen verschiedenster Stakeholder zu beantworten, können sie sich an einem einheitlichen Standard orientieren und ihre Nachhaltigkeitsinformationen konsistent aufbereiten. Das schafft Transparenz, reduziert den Aufwand und erleichtert die Kommunikation mit Banken, Kunden und Geschäftspartnern.