Wenn die Natur ausfällt: Warum Biodiversität ein Wirtschaftsthema ist

Die Weltnaturkonferenz in Armenien rückt eine Grundlage unseres Wirtschaftens in den Mittelpunkt: intakte Ökosysteme. Für Unternehmen lohnt sich ein genauer Blick darauf, welche Leistungen die Natur für ihr Geschäft erbringt und wie sie diese erhalten können.
Was kostet es ein Unternehmen, wenn Wasser knapp wird, Böden an Fruchtbarkeit verlieren oder natürliche Rohstoffe schlechter verfügbar sind? Solche Fragen verbinden den Schutz biologischer Vielfalt unmittelbar mit Einkauf, Produktion und Unternehmensstrategie.
Vom 19. bis 30. Oktober 2026 beraten die Vertragsstaaten der UN-Biodiversitätskonvention auf der COP17 in Eriwan über die Umsetzung der weltweiten Biodiversitätsziele. Dazu gehört, bis 2030 mindestens 30 Prozent der Land- und Meeresflächen sowie Binnengewässer wirksam zu schützen und zu erhalten. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie aus vereinbarten Zielen konkrete Veränderungen werden.
„Ohne die Natur haben wir nichts.“
António Guterres, UN-Generalsekretär, bei der Weltnaturkonferenz COP15 im Dezember 2022; eigene Übersetzung.
Die Natur arbeitet mit – häufig unbemerkt
Biologische Vielfalt umfasst Arten, genetische Vielfalt und Ökosysteme. Sie trägt dazu bei, dass natürliche Systeme widerstandsfähig bleiben und Leistungen erbringen, auf die wir täglich angewiesen sind: sauberes Wasser, Bestäubung, Bodenfruchtbarkeit oder die Regulierung des Klimas.
Für Unternehmen werden diese Zusammenhänge schnell greifbar. Ein Lebensmittelhersteller ist auf verlässliche Ernten und geeignete Wasserqualität angewiesen. Ein holzverarbeitender Betrieb braucht langfristig verfügbare Rohstoffe aus widerstandsfähigen Wäldern. Ein Tourismusunternehmen lebt auch von der Qualität der Landschaft, in der seine Gäste Erholung suchen.
Wer diese Abhängigkeiten kennt, kann Risiken früher erkennen und Beschaffung, Produkte oder Investitionen vorausschauender gestalten. Gleichzeitig gilt es, die eigenen Auswirkungen zu betrachten: etwa durch Flächenverbrauch, Rohstoffgewinnung oder Einträge in Boden und Gewässer.
Der renommierte Ökonom Partha Dasgupta bringt den Zusammenhang auf den Punkt:
„Unsere Volkswirtschaften sind in die Natur eingebettet, nicht außerhalb von ihr.“
Partha Dasgupta, The Economics of Biodiversity, 2021
Drei Schritte, mit denen Unternehmen beginnen können
Abhängigkeiten und Auswirkungen sichtbar machen.
Ein gemeinsamer Blick von Einkauf, Produktion und Nachhaltigkeitsverantwortlichen schafft eine erste Übersicht: Welche Rohstoffe und Prozesse hängen besonders von intakten Ökosystemen ab? Aus welchen Regionen stammen kritische Materialien? Wo beeinflusst das Unternehmen selbst Lebensräume?
Die wichtigsten Handlungsfelder auswählen.
Entscheidend sind Bedeutung und Einflussmöglichkeiten. Bei einem Lebensmittelhersteller kann die Zusammenarbeit mit landwirtschaftlichen Lieferanten besonders relevant sein, bei einem Produktionsbetrieb zusätzlich der Wasserverbrauch oder die Gestaltung eigener Flächen. Eine naturnahe Außenanlage ist ein sinnvoller Baustein; wesentliche Auswirkungen in der Lieferkette müssen ebenfalls berücksichtigt werden.
Maßnahmen verbindlich umsetzen.
Aus Erkenntnissen werden Aufgaben: beispielsweise Herkunft und Anbaubedingungen wichtiger Rohstoffe klären, ökologische Kriterien in die Beschaffung aufnehmen oder geeignete Betriebsflächen aufwerten. Verantwortlichkeiten, Termine und passende Kennzahlen helfen, Fortschritte zu überprüfen. Ein Ziel könnte etwa sein, innerhalb eines Jahres für die fünf wichtigsten Agrarrohstoffe Herkunftsregionen und relevante Naturrisiken zu erfassen.
Von der Bestandsaufnahme zur tragfähigen Strategie
Auch der globale Biodiversitätsrahmen adressiert Unternehmen: Ziel 15 richtet den Blick auf die Erfassung und Verringerung naturbezogener Risiken und negativer Auswirkungen entlang der Geschäftstätigkeit und Wertschöpfungsketten.
Zukunftswerk unterstützt Unternehmen dabei, diese Perspektive in ihre Entscheidungen einzubeziehen. Wir analysieren ökologische Abhängigkeiten, Auswirkungen und Risiken, identifizieren Handlungsmöglichkeiten und integrieren Biodiversität in bestehende Nachhaltigkeitsstrategien. Für Unternehmensstandorte entwickeln wir zudem fundierte Aufwertungskonzepte und konkrete Maßnahmenpläne.
Welche natürlichen Grundlagen braucht Ihr Unternehmen – und wie können Sie diese stärken? Sprechen Sie mit uns. Gemeinsam klären wir, wo Ihre wichtigsten Handlungsfelder liegen und welche nächsten Schritte sinnvoll sind.